Der Diskurs zum Thema „Gewalt an Frauen“ und die Frage, wie man sich als Männer/Väterorganisation dazu verhält
Am 7. März 2026 wurde zu einer Demonstration gegen Männergewalt aufgerufen. „Wir Väter“ unterstützten diesen Aufruf, indem wir ihn auf unserer Homepage veröffentlichten. Eine Solidaritätsbekundung. Gleichzeitig aber auch eine „Gratwanderung“.
„Wir Väter“ wollen der männlichen Perspektive zum Thema: Stellung von Mann und Frau zum Kind mit allen damit einhergehenden Implikationen eine Stimme geben und selbige, so weit möglich, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Ein Thema aus der Mitte unserer Gesellschaft, dem obigen diametral entgegengesetzt, dem gesellschaftspolitisch so gut wie keine Beachtung geschenkt wird. Es geht um nicht weniger als um die Themen Macht und Verantwortung, Rollenverständnis und Ressourcen, um Gleichbehandlung, Diskriminierung und Emanzipation und deren Gegner*innen.
Begibt man sich mit der männlichen Sicht zum Thema Sorgerecht nach Trennung/Scheidung in einen politischen Diskurs, landet man unweigerlich beim Thema Gewalt. Gewalt, die im allgemein geführten Diskurs ausschließlich als männlich beschrieben wird, ob es sich nun um physische oder psychische Gewalt handelt.
Die teilweise oder vollständige Einschränkung des Kontakts zwischen Vater und Kind ohne entsprechende Begründung ist jedoch aus unserer Sicht nichts anderes als psychische und strukturelle Gewalt in ihrer massivsten Ausprägung. Gewalt, die primär Männern/Vätern und deren Kindern angetan, gesellschaftspolitisch aber größtenteils ignoriert wird.
Das Leid von Frauen umgekehrt einfach zu ignorieren und in diesem Zusammenhang vom Faktum der vielen Morde an Frauen durch Männer wegzusehen, widerspricht jedoch ebenso unserem Selbstverständnis.
Eine Gratwanderung: Einerseits aus männlicher Perspektive in seiner Not im Verhältnis zum Kind fortwährend ignoriert zu werden und andererseits einen Aufruf zur Demonstration gegen männliche Gewalt an Frauen – noch dazu mit dem durchaus diskussionswürdigen Begriff „Femizid“ – zu unterstützen, indem der Aufruf auf unserer Homepage veröffentlicht wird, entspricht aber trotzdem unserer Überzeugung. Es geht schlicht um Solidarität – mit dem impliziten Anspruch an das Gegenüber, auch in der eigenen Not wahrgenommen zu werden.
In diesem Beitrag soll der sehr einseitig geführte Diskurs noch um einen wesentlichen Aspekt erweitert werden.
Vor rund 15 Jahren wurde in einem Teil von Spanien das Doppelresidenzmodell priorisiert, mit dem Ergebnis, dass die Partnergewalt sich in diesen Regionen fast um die Hälfte reduzierte und es selbst bei den Tötungsdelikten einen Rückgang um 8% gab, während in den Vergleichsregionen, wo Kinder nach wie vor primär Müttern alleine zugesprochen werden, das Gewaltniveau gleich hoch blieb.
Das bedeutet: Haben beide Elternteile die gleiche Chance, ihre Beziehung zum Kind auch nach einer Trennung weiterleben zu können, wirkt das massiv deeskalierend. Männer als Opfer von Diskriminierung wahrzunehmen und dem entgegenzuwirken indem Chancengleichheit hergestellt wird, ist eine effiziente Form der Gewaltprävention. Mehr darüber in einem der nächsten Beiträge.
Anton Pototschnig
Obmann der Initiative „Wir Väter“
