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Geteilte Wege – ein Vater berichtet aus dem Familienverfahren

Was passiert, wenn ein Kind von heute auf morgen sein gewohntes Zuhause, Freunde und Routinen verliert – und ein Vater plötzlich nur noch Besuchsnachmittage hat? In diesem anonymisierten Bericht schildert ein Vater, wie Entscheidungen von Behörden und eine Begutachtung seinen Alltag mit seinem Sohn prägten – ohne Gewaltvorwürfe, aber mit langen Wegen und kurzen Zeiten. Er erzählt nicht, um anzuklagen, sondern um sichtbar zu machen, wo Systeme kinderzentrierter und verantwortungsgerechter werden können.

Seit Herbst 2023 kam es in unserer Familie zu schweren Belastungen. Meine Versuche, die Situation zu verbessern, führten vor allem dazu, dass meine Frau die Scheidung anstrebte. Nachdem sie eine gemeinsame Beratung ablehnte, suchte ich zunächst Hilfe bei Fachleuten und wandte mich schließlich in der Hoffnung auf Unterstützung an die Kinder- und Jugendhilfe.

Nach einem Hausbesuch der zuständigen Mitarbeiterin war ein gemeinsamer Elterntermin in den Räumen der Kinder- und Jugendhilfe vereinbart. Anstatt diesen Termin wahrzunehmen, zog meine Frau an diesem Tag völlig überraschend mit unserem Kind in ein Frauenhaus, in dem beide nun seit über einem Jahr leben. Die Kinder- und Jugendhilfe teilte mir daraufhin mit, ich solle das Verhalten meiner Frau als „Retourkutsche“ verstehen – wofür, müsse ich selbst wissen. Als der Kindergarten schriftlich festhielt, dass ich als hauptsächlich erziehender Elternteil wahrgenommen wurde, rief die Mitarbeiterin dort an und warf der Direktorin Parteilichkeit vor.

Erst nach mehreren Wochen stimmte meine Frau zu, dass ich meinen Sohn zumindest beaufsichtigt in einem Besuchscafé sehen kann, obwohl es keine körperlicher Gewalt gab, nicht einmal Vorwürfe diesbezüglich. Mein Frau warf mir lediglich vor, sie aus der Mutterrolle gedrängt zu haben – obwohl sie sich zuvor aktiv zurückgezogen hatte und sich über längere Zeit nicht mit unserem Kind beschäftigte.

Kurz darauf startete ein bereits von beiden Seiten angestrebtes Pflegschaftsverfahren. Ich habe durchgängig das gemeinsame Sorgerecht und geteilte Unterbringung angestrebt; meine Frau beantragte das alleinige Sorgerecht. Erst nach Monaten im Frauenhaus unter der alleinigen Obhut ihrer Mutter kam es zu einer vom Gericht beauftragten psychologische Begutachtung.

Die Gutachterin stellte dann eine enge Bindung zur Mutter fest und nahm mich als „druckerzeugend“ und „narzisstisch“ wahr. Mein Anliegen, das Geschehen in der Familie zu thematisieren, wertete sie als „Schwierigkeit, mich auf die Beziehung zu meinem Sohn zu konzentrieren“. Auf einen strukturierten Test der Erziehungsfähigkeit (meiner Frau) verzichtete sie mit der Begründung, dies sei aufgrund der angeblich mangelnden Deutschkenntnisse nicht möglich, obwohl sie eine Berufsausbildung auf Deutsch absolviert hat. Immerhin hielt die Gutachterin fest, dass es keinen Anlass für begleitete Kontakte gibt, und empfahl eine 40/60-Aufteilung. In der Verhandlung präzisierte sie dies jedoch dahingehend, dass sie darunter drei Nachmittage pro Woche und eine Übernachtung alle 14 Tage versteht. Ich habe das Pflegschaftsverfahren mit einem Vergleich beendet, der dieser Empfehlung entspricht, zumal die Richterin ankündigte, ihr zu folgen. Dass ich für die Kontakte nun jedes Mal etwa 1,5 Stunden von unserem Zuhause anfahren muss, bleibt eine Randnotiz.

Mein Sohn vermisst weiterhin seine Freunde, sein vertrautes Zuhause und meine Angehörigen, die früher in der Nähe waren. Nach Auskunft von Jugend- und Gerichtshilfe muss er das „aushalten“. Aus meiner Sicht ist es jedoch hoch traumatisierend, ein Kind von heute auf morgen aus seiner Umgebung zu reißen und die Darstellung der Mutter über alles zu stellen. Immerhin gelingt es mir, Treffen mit seinen Freundinnen und Freunden aus dem früheren Kindergarten zu organisieren – auch sie vermissen ihn spürbar; seine beste Freundin schläft sogar mit einem Teddybären, auf den sein Foto gedruckt ist.

Ich fürchte, dass im konkreten Fall meines Kindes keine weiteren Schritte möglich sind, ohne seine Lage weiter zu verschlimmern. Aber ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Situation in Österreich ändert. Vielleicht hilft es ja meine Geschichte zu teilen.

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